Ambulante Kinder- und Jugendhilfe

Familien bewältigen viele Schwierigkeiten aus eigenen Kräften. Bei Problemen und Notlagen, mit denen Kinder, Jugendliche und deren Bezugspersonen vorübergehend nicht mehr alleine zurechtkommen, leistet die Geschwister-Gummi-Stiftung verschiedene ambulante Angebote. Sie unterstützen bei der Bewältigung von Alltags- und Entwicklungsaufgaben und zielen darauf ab, das Zusammenleben von Familien und die Lebensbedingungen junger Menschen innerhalb des häuslichen Umfelds zu verbessern.

Die Angebote der Geschwister-Gummi-Stiftung sind Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe. Grundlage für die Hilfeleistung ist daher eine psychosoziale Diagnose durch das Jugendamt. Nach eingehender Beratung der Betroffenen und der Antragstellung auf Hilfe zur Erziehung (gemäß §§ 27 ff. SGB VIII) wird ein Kontakt zu den Mobilen Hilfen hergestellt. Anschließend wird für die Familie eine passende Fachkraft gesucht.

Grundsätzlich gilt: Unsere Mitarbeitenden arbeiten vertraulich und unterliegen der Schweigepflicht. Zudem basieren alle Angebote auf Freiwilligkeit, weshalb die Mitarbeit von Kindern, Jugendlichen und Erziehungsberechtigten vorausgesetzt wird. 

Kontakt

Fachbereich Familie und Erziehung
Schießgraben 7
95326 Kulmbach
Telefon 09 221 / 82 82-12
infogummi-stiftungde

Beispiel: Häusliche Gewalt

Wie die Ambulanten Hilfen der Geschwister-Gummi-Stiftung für Kinder und Familien da sind

Interview mit Lisa Strößner, Sozialpädagogin B.A., Fachkraft für Kinderschutz

Ist es ein Begriff aus Großstädten oder sogenannten Brennpunkt-Vierteln? Oder aus Fernsehen und Fachbüchern? „Viele Menschen, die den Begriff „Häusliche Gewalt“ hören, denken sofort an sehr eskalierendes Bild einer Streitsituation“, weiß Lisa Strößner, Sozialpädagogin B.A., Fachkraft für Kinderschutz. Doch die Facetten häuslicher Gewalt sind leider so vielfältig wie ein traurig buntes Mosaik aus Schlägen, Bedrohung oder Vernachlässigung. Oft erfahren die Opfer auch mehrere solcher Ausdrucksweisen des Täters oder der Täterin: Sie äußern sich in psychischen oder seelischen Verletzungen oder auch sexualisierten Verhaltensweisen. Opfer sind Kinder oder andere Familienmitglieder aus dem gemeinsamen Zusammenleben. Sie stammen aus allen sozialen Schichten, Altersgruppen oder Religionszugehörigkeiten. Ihnen gemeinsam ist jedoch immer eine Situation, die die Familie dauerhaft in Stress versetzt. Das kann etwa durch Trennung oder Scheidung geschehen oder „überall da, wo hoher Stress in den Familien herrscht oder es um den Verlust von Kontrolle geht.“ Oftmals werden auch diejenigen Personen zu Tätern, die in ihrer Kindheit selbst häusliche Gewalt erfahren haben, und keine anderen Lösungsstrategien für Konflikte nutzen können.

Statistiken zu erschreckend steigenden Fallzahlen häuslicher Gewalt in Deutschland gibt es viele: Die Dunkelziffer ist jedoch noch höher. Viele Betroffene schämen sich, haben Angst vor möglichen Konsequenzen oder sind selbst so abhängig, dass sie keinen Ausweg finden. Manchmal begreifen die Opfer zudem noch gar nicht, dass sie ein Opfer sind, weil es für sie schon zur Normalität geworden ist so behandelt zu werden und bleiben stumm.

Durch die lang andauernde Corona-Krise verstärkt sich das Stresspotential für viele Familien auch in Kulmbach enorm: Schulausfälle, veränderte Arbeitssituationen wie Kurzarbeit oder Existenzsorgen erzeugen Stress und Konflikte, die wiederum häusliche Gewalt in betroffenen Familien herbeiführen oder gar verstärken können. Gleichzeitig fallen für die Familienmitglieder viele Möglichkeiten weg, sich aus dem Weg zu gehen: „“Wo sich Kinder mit Freunden treffen konnten, wo Mütter untereinander sprechen konnten oder auch Väter eine Auszeit gefunden haben“, beobachtet Lisa Strößner. Die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen reduzieren die Zahl der Kontakte von Kindern und Erwachsenen zu Freunden auf ein Minimum. So müssen die Betroffenen meist viel mehr Zeit in der gemeinsamen, manchmal sehr kleinen Wohnung verbringen. Das kann zu noch mehr Stress führen.“

Hier setzt ein wichtiger Teil der Arbeit der Mobilen Hilfen der Geschwister-Gummi-Stiftung an: Das pädagogisch hochqualifizierte Fachpersonal hilft bei Problemen und Notlagen, mit denen Kinder, Jugendliche und deren Bezugspersonen vorübergehend nicht mehr alleine zurechtkommen. Sie begleiten Familien auch über einen längeren Zeitraum, in dem sie gemeinsam Lösungsmöglichkeiten für Alltagsprobleme suchen aber auch Wege zur Konfliktbewältigung innerhalb der Familie.

Die Corona-Krise hat auch ihre Arbeit erschwert. Die Mitarbeitenden haben die Balance zwischen einem hohen Infektionsschutz und dem Kinderschutzauftrag jedoch gefunden: Mit verstärkten Hygienemaßnahmen - unter anderem dem Tragen von FFP2-Masken und der Berücksichtigung des Abstandsgebots - finden Hausbesuche der mobilen Hilfen in den Familien statt. „Wir sind sehr froh, dass sich die Familien darauf einlassen und diesen Weg gemeinsam mit uns gehen“, erklärt die Sozialpädagogin. Diese respektieren die Schutzmaßnahmen und nehmen die Hilfen der Mitarbeitenden an – denn auch in den Familien selbst sind alle Mitglieder emotional belastet: „Die Täter fühlen sich oft schlecht und haben ein schlechtes Gewissen bei ihren Taten und wollen es im Anschluss auch „wiedergutmachen“. Erwachsene sind daher oft mit ihren eigenen Gefühlen beschäftigt, fühlen Ohnmacht, Angst und Hilflosigkeit. Doch auch die Kinder wollen ihren Eltern oft helfen, empfinden Resignation und bleiben mit ihren Gefühlen oft alleine“.

Die Mitarbeitenden der Mobilen Hilfen der Geschwister Gummi Stiftung reagieren auf die verschiedenen Bedürfnisse und arbeiten diese fachlich auf.