Kinder spielen im Familiencafé. Nebenan findet gerade eine Handysprechstunde für Senioren statt. Später treffen sich die Mitglieder der Elterninitiative Autismus Spektrum zum Austausch hier. Das Mehrgenerationenhaus der Geschwister-Gummi-Stiftung ist voller Leben, doch die Leiterin Antonia Beyerlein plagen Sorgen, Enttäuschung und Unverständnis. Das Familienministerium hat angekündigt, die finanziellen Mittel für bundesweit 530 Mehrgenerationenhäuser zu kürzen.
Auch MdB Emmi Zeulner kann diesen Schritt nicht nachvollziehen. 2017 noch hatte sie die gute Nachricht über die Aufnahme des Familientreffs in das Förderprogramm der Bundesregierung überbracht. Seitdem hat sie das Mehrgenerationenhaus mehrmals besucht und sich mit den Fachkräften vor Ort ausgetauscht. So auch kürzlich im Gespräch mit der neuen Leiterin Antonia Beyerlein: „Menschen wie Sie und so vielfältige Angebote für die Menschen werden gebraucht.“
Tatsächlich liegt das Erfolgsgeheimnis der rund 530 stets vollen Mehrgenerationenhäuser in Deutschland wohl in ihrer Flexibilität: Sie reagieren schnell auf die Bedürfnisse der Menschen vor Ort, so auch in Kulmbach. Ist nach der Pandemie etwa das Projekt der Lernpaten entstanden, in dem Ehrenamtliche vor allem Grundschülerinnen und Grundschüler bei Lernrückständen unterstützen, so wurde wenig später die Handysprechstunde ins Leben gerufen. Auch dieses Angebot basiert auf den Erfahrungen der Pandemie und der Notwendigkeit zur Vernetzung und Teilhabe von Senioren und Seniorinnen. „Was die Menschen gerade brauchen, erfahren wir vor allem in Gesprächen“, so Antonia Beyerlein. Das Mehrgenerationenhaus bietet hierfür eine ganz besondere Atmosphäre. „Man knüpft in einem der Kurse oder Angebote neue Kontakte. Hier gehen Menschen jeden Alters, jeder Nationalität und jeden Geschlechts ein und aus. Jeder akzeptiert den anderen, man lernt voneinander. Das schafft ein Vertrauensverhältnis.“ Auch die erfolgreiche Reparaturwerkstatt Tüftlertreff, die rund 300 Elektrokleingeräte seit ihrer Gründung vor einem Jahr durchlaufen haben, bringt Menschen mit denselben Zielen zusammen, aktiviert, lässt die Menschen teilhaben und schafft Netzwerke.
Nun soll die aktuelle Förderung von 40.000 Euro pro Jahr auf 38.000 Euro gekürzt werden – ein Minus von fünf Prozent. „Das klingt zunächst nicht viel, aber in Kombination mit der derzeitigen Inflation, den anhaltend hohen Betriebs- und Energiekosten und der ohnehin fehlenden langfristigen Förderperspektive ist das ein Schock“, so Antonia Beyerlein. Denn: Das aktuelle Förderprogramm für die Mehrgenerationenhäuser endet 2028. Zwar werden neben den 40.000 Euro vom Bund noch 10.000 Euro von der Stadt Kulmbach beigesteuert, doch das Team ist immer auf der Suche nach Drittmitteln, stellt Anträge bei projektbezogenen Fördertöpfen und ist auf Spenden angewiesen.
Sollte die Kürzung der Fördermittel tatsächlich umgesetzt werden, ginge das zulasten derjenigen Menschen, die im Mehrgenerationenhaus einen Treffpunkt, einen Ort des Lernens und der Unterstützung gefunden haben. Schließlich beherbergt das Haus auch die Nebenstelle der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit KASA der Diakonie Kulmbach, die vor allem auch eine soziale Beratung in vielen Lebenslagen anbietet. „Die Menschen kommen als Gäste in unseren Familientreff. Dadurch können sie anonym und ohne große Hürden an meine Tür klopfen und eine Beratung in Anspruch nehmen. Das kostet weniger Überwindung“, weiß Antonia Beyerlein.
Wenn die Kürzungen der Fördermittel wie geplant umgesetzt werden, müsste auch das Mehrgenerationenhaus Kulmbach das Angebot für die Menschen verkleinern. Eine Petition der Mehrgenerationenhäuser gegen Fördermittelkürzung stieß bereits auf großen Zuspruch bei den Menschen, die im Mehrgenerationenhaus ein und aus gehen.
MdB Emmi Zeulner versprach: „Ich werde dafür kämpfen, dass wir das hinbekommen.“