„Ich schenke dir Zeit und Sicherheit“:

  • Geschwister-Gummi-Stiftung

Patenschaften für Kinder psychisch belasteter Eltern gesucht

Für Kinder psychisch kranker oder stark belasteter Eltern sind Stabilität, Strukturen und Verlässlichkeit besonders wichtig. Einige der Mädchen und Jungen aus dem Raum Kulmbach werden von der Geschwister-Gummi-Stiftung betreut.
Ehrenamtliche Patinnen und Paten können mit ihrer Zeit, Geduld und Wertschätzung einen Beitrag zur gesunden Entwicklung der Mädchen und Jungen leisten.

Ein Fußballspiel im Park, ein gemütlicher Vorlese-Nachmittag oder einfach ein „Bummel“ durch die Straßen: Die Interessen und Bedürfnisse von Kindern sind so unterschiedlich wie sie selbst. Für eine gesunde Entwicklung benötigen sie Stabilität und Aufmerksamkeit -  wie alle Kinder. Kinder psychisch kranker oder stark belasteter Eltern, wie es sie auch hier in Stadt und im Landkreis Kulmbach gibt, müssen jedoch viel Verantwortung übernehmen und sind dabei häufig überfordert. Sie brauchen eine Vertrauensperson außerhalb des familiären Umfeldes. Oft fehlen den betroffenen Familien unterstützende und verlässliche Angehörige oder Bezugspersonen.
 

Kinder psychisch-kranker Eltern aus Kulmbach und Umgebung

Genau diesen „Anker“ für ambulant betreute oder auch in den Wohngruppen lebende Kinder vermittelt das Projekt DoMiNo der Geschwister-Gummi-Stiftung, das Kinder psychisch kranker Eltern begleitet. Es ist als Präventionsprojekt ausgerichtet – mit dem Ziel, Kinder aufzuklären, Familien zu begleiten und den Mädchen und Jungen einen stabilen Rahmen für ihre seelische Entwicklung zu geben.

Im Zusammensein mit den Patinnen und Paten lernen sie Verlässlichkeit kennen und gewinnen dadurch Vertrauen und Selbstbewusstsein zurück. Die regelmäßigen Treffen sind beispielsweise gefüllt mit alltäglichen Handlungen, etwa gemeinsam Kuchen backen, aber auch Freizeitaktivitäten aus dem Sport oder der Musik. Auch ein „ganz normaler“ Spielenachmittag kann für die Kinder jedoch etwas ganz Besonderes werden. Sie spüren: Jemand ist da, hat Zeit für mich und schenkt mir Aufmerksamkeit.“  Das gilt auch für Kinder, die in den Kinderwohngruppen leben: Auch sie sollen „exklusive Zeit für sich“ außerhalb des Gruppenalltags erleben dürfen.

„Wichtig ist, dass die potentiellen Patinnen und Paten selbst in stabilen Verhältnissen leben und genügend Ressourcen für ein weiteres Kind haben“, betont Carmen Günther, Heilpädagogin und systemische Familientherapeutin. Sie leitet das Projekt gemeinsam mit Sandra Klötzer, Diplom-Sozialpädagogin (FH). Die beiden Kolleginnen begleiten die Patinnen und Paten in ihrer verantwortungsvollen Aufgabe und stehen im regen Austausch mit ihnen.

Für eine Patenschaft benötige es kein pädagogisches Vorwissen, vielmehr ein großes Herz. Zuverlässigkeit und die Bereitschaft regelmäßig und langfristig für ein Kind da zu sein, seien ebenso Voraussetzung. „Ein Stück weit sollte man auch emotional belastbar sein“, rät Sandra Klötzer. „Denn jedes Kind bringt eine Geschichte mit, seine Geschichte.“

„Mist gebaut? Ich höre dir zu!“

Dass dieses Wissen zu tragen nicht immer leicht ist, weiß eine langjährige Patin. Sie erinnert sich: „Mir ist es oft schwergefallen, bei manchen Erzählungen oder in manchen Momenten nur zusehen zu können. Zu sehen, dass unser Patenkind einen ganz anderen Start ins Leben hatte als meine eigenen Kinder und dass es schwer ist, da wieder herauszukommen.“ Umso wichtiger sei es dann gewesen, dem dreizehnjährigen Mädchen nach einem Anruf mit den Worten „Ich hab‘ mal wieder Mist gebaut“ zu vermitteln: „Ich bin trotzdem für dich da. Nur wenn du möchtest, gebe ich dir Tipps. Ansonsten höre ich dir zu.“ Heute, morgen und in vielen Monaten. Bei ihren eigenen drei Töchtern hätte sie vermutlich anders reagiert, scherzt Karin*, doch ihre Beweggründe sind ernst: Bei allem Verdienst, was das Personal der Wohngruppen und Mobilen Hilfen leistet, können sie manchmal nämlich eines nicht verhindern: den Wechsel von Bezugspersonen oder den Umzug von Freunden aus der Wohngruppe. Patenschaften hingegen können bleiben. So habe Karin* noch heute Kontakt zu ihrem ehrenamtlichen Patenkind.

Verbindung braucht Vertrauen

Nach den jeweiligen Bedürfnissen und Interessen wählt Sandra Klötzer die passenden „Duette“ aus. „Manche Kinder brauchen für sich den Kontakt zu anderen Kindern, manche benötigen ungeteilte Aufmerksamkeit. Manche Kinder wollen aktiv sein und Fußball spielen, andere brauchen jemanden zum Vorlesen oder Reden.“ Die richtigen Paare zu finden braucht Geduld und Zeit – und auch dann ist diese Entscheidung nicht besiegelt. Es gibt einen, oder bei Bedarf auch mehrere Hausbesuche, um einen Eindruck von der Lebenswelt des oder der zukünftigen Paten zu bekommen. Der erste Kontakt zwischen Paten und Kind findet zunächst in einem für das Kind vertrauten Rahmen gemeinsam mit dem Fachpersonal statt: Spiele, Basteleien und Gespräche sind hier oft die Regel. Erst, wenn beide der Patenschaft zustimmen und eine erste Verbindung zueinander aufgebaut haben, kann ein regelmäßiger Umgang auch alleine erfolgen.

Für Fragen im Vorfeld und während der Patenschaft stehen Carmen Günther, Sandra Klötzer und ihr Team jederzeit zur Verfügung. Sollten Patinnen oder Paten doch einmal in eine Situation gelangen, in der sie unsicher oder hilflos sind, können sie die Mitarbeitenden jederzeit anrufen und sich Rat holen. Es gibt regelmäßige Treffen mit Fach- und Erfahrungsaustausch für die betreuenden Paten.

 „Gemeinsam mit vielen engagierten Patinnen und Paten können wirKinder ein Stück weit auf ihrem Lebensweg begleiten, sodass ihnen die Bewältigung des eigenen Alltags leichter fällt. Sie gewinnen Vertrauen und Selbstbewusstsein zurück“, so Carmen Günther.

 

DoMiNo ist ein Präventionsprojekt für Kinder mit mindestens einem psychisch erkrankten Elternteil. „Do“ steht für ‚tun‘ / ‚aktiv werden‘, „Mi“ bedeutet so viel wie ‚Mut machen und informieren‘ und „No“ ‚nein sagen‘. Ziel ist es, Eltern und Kinder aufzuklären, Familien zu begleiten und Kindern einen stabilen Rahmen für ihre seelische Entwicklung zu geben. Die ehrenamtlichen Patinnnen und Paten wirken dabei ergänzend zu den fachlichen, pädagogischen Angeboten der Geschwister-Gummi-Stiftung.

Informationen erhalten Sie unter https://www.gummi-stiftung.de/domino und unter:
Tel 09221 /  82 82 12

*Name der beteiligten Person geändert

domino.jpeg