Neue Perspektiven für junge Menschen:
Geschwister-Gummi-Stiftung weiht Villa Mainleus und Care-Leaver-Haus ein
Mit der Eröffnung der Villa Mainleus und des neuen Care-Leaver-Hauses erweitert die Geschwister-Gummi-Stiftung ihr Hilfsangebot für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Möglich wurde das insgesamt rund 3,3 Millionen Euro umfassende Projekt durch eine außergewöhnliche Erbschaft sowie umfangreiche Fördermittel und die Unterstützung zahlreicher Sponsoren.
Zur offiziellen Einweihung begrüßten die Verantwortlichen am Freitag zahlreiche Gäste aus Politik, Kirche, Wirtschaft und von Förderinstitutionen. Unter ihnen befanden sich Regierungspräsident Florian Luderschmid, der zugleich die Oberfrankenstiftung vertrat, die stellvertretende Landrätin Christina Flauder, Bürgermeister Robert Bosch, der Vorstand der Sternstunden Thomas Jansing sowie Vertreter der Schulen und Banken.
Jürgen Dippold, Geschäftsführer der Diakonie Kulmbach und geschäftsführender Vorstand der Geschwister-Gummi-Stiftung, bezeichnete die beiden Einrichtungen als wichtigen Meilenstein für die Jugendhilfe. Die Stiftung begleite seit vielen Jahren Kinder, Jugendliche und Familien in schwierigen Lebenssituationen. Mit den neuen Angeboten werde nun insbesondere der Übergang vom betreuten Wohnen in ein eigenständiges Erwachsenenleben nachhaltig gestärkt. "Damit schließen wir eine wichtige Lücke im Hilfesystem", betonte Dippold.
Traumapädagogik in familiärer Atmosphäre
Im Mittelpunkt des Projekts steht die Villa Mainleus. Die neue Wohngruppe bietet sieben traumapädagogische Plätze für Kinder und Jugendliche ab neun Jahren, die belastende Erfahrungen wie Gewalt, Vernachlässigung oder andere traumatische Erlebnisse verarbeiten müssen.
Die Einrichtung wurde bewusst familiennah gestaltet. Neben modernen Einzelzimmern stehen Gemeinschaftsbereiche sowie Therapie-, Werkstatt- und Kreativräume zur Verfügung. Ziel ist es, den Jugendlichen Sicherheit, Orientierung und stabile Beziehungen zu vermitteln. Gleichzeitig sollen sie in ihrer persönlichen Entwicklung gestärkt und schrittweise auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereitet werden. Die Villa versteht sich dabei als verlässliche "Heimat auf Zeit".
Begleitung über die Volljährigkeit hinaus
Direkt angrenzend entstand das neue Care-Leaver-Haus. Es richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene ab 16 Jahren, die zuvor in Wohngruppen der Geschwister-Gummi-Stiftung gelebt haben. Das Angebot reagiert auf eine Situation, die in der Jugendhilfe häufig zu beobachten ist: Mit Erreichen der Volljährigkeit endet oftmals die stationäre Betreuung, obwohl viele junge Menschen weiterhin intensive Unterstützung benötigen.
Während junge Erwachsene in ihren Familien häufig auch nach dem 18. Geburtstag auf Rückhalt zählen können, fehlt dieses Sicherheitsnetz vielen Care Leavern. In der Vergangenheit führte dies nicht selten zu Betreuungsabbrüchen oder dem Verlust wichtiger Bezugspersonen.
Genau hier setzt das neue Konzept an. Die Bewohnerinnen und Bewohner leben in vier eigenen Appartements selbstständig, werden jedoch weiterhin von den ihnen vertrauten Fachkräften begleitet. Unterstützung erhalten sie unter anderem bei der Organisation ihres Alltags, im Umgang mit Finanzen sowie bei Ausbildung, Beruf und allen Schritten auf dem Weg in ein eigenverantwortliches Leben.
Fachbereichsleiter Leonard von der Weth erläuterte, dass die Begleitung bewusst langfristig angelegt sei. Ziel sei es, den jungen Menschen das notwendige Rüstzeug mitzugeben, um ihr Erwachsenenleben sicher und selbstständig gestalten zu können. Bereits seit Februar sind alle vier Wohnungen belegt.
Investition in die Zukunft junger Menschen Den Grundstein für die Verwirklichung des Projekts legte eine außergewöhnliche Erbschaft, ohne die das Vorhaben nicht hätte umgesetzt werden können. "Für dieses Vertrauen sind wir außerordentlich dankbar", sagte Jürgen Dippold. Mainleus sei bereits seit Jahren ein wichtiger Standort der Stiftung. Mit den beiden neuen Einrichtungen werde das bestehende Angebot nun sinnvoll ergänzt und erweitert.
Das Gebäude des heutigen Care-Leaver-Hauses stammt aus dem Jahr 1937 und wurde vollständig entkernt sowie energetisch grundlegend saniert. Moderne Heizungs- und Lüftungstechnik sowie zeitgemäß ausgestattete Wohnungen schaffen heute optimale Bedingungen für die jungen Bewohnerinnen und Bewohner. Insgesamt investierte die Geschwister-Gummi-Stiftung rund 3,3 Millionen Euro in beide Einrichtungen. Etwa 2,6 Millionen Euro stammen aus Fördermitteln.
Große Bedeutung für die Region
Die stellvertretende Landrätin Christina Flauder unterstrich in ihrem Grußwort die gesellschaftliche Bedeutung des Projekts. Gerade traumatisierte Kinder und Jugendliche benötigten Menschen, die ihnen dauerhaft zur Seite stehen und ihnen zeigen, dass sie nicht allein seien. Nur durch verlässliche, respektvolle und wertschätzende Begleitung könnten belastende Erfahrungen aufgearbeitet und neue Lebensperspektiven entwickelt werden.
Auch Robert Bosch, Bürgermeister in Mainleus, begrüßte die neuen Einrichtungen ausdrücklich. Sie böten jungen Menschen Schutz, Orientierung und eine verlässliche Begleitung auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Gleichzeitig werteten sie das Ortsbild deutlich auf. Das Gelände habe eine vollkommen neue Nutzung erhalten und sei zu einem Ort geworden, an dem sich Menschen wohlfühlen könnten.
Foto 1: Zur offiziellen Einweihung der Villa Mainleus und des Care-Leaver-Hauses versammelten sich Vertreter aus Politik, Kirche, Wirtschaft, den Förderinstitutionen sowie der Geschwister-Gummi-Stiftung und des Diakonie Verbundes Kulmbach vor der Villa Mainleus.
Neue Perspektiven für junge Menschen:
Geschwister-Gummi-Stiftung weiht Villa Mainleus und Care-Leaver-Haus ein

