Die Jugendwerkstatt der Geschwister-Gummi-Stiftung begleitet Jugendliche und junge Erwachsene auf ihrem individuellen Weg in Ausbildung und Arbeitswelt. In den Bereichen Schreinerei, Malerei und Trockenbau sowie Textilreinigung erhalten sie fachliche Qualifizierung und praktische Erfahrungen. Ergänzt wird das Angebot durch Berufsvorbereitung und weitere Projekte für junge Menschen, die beim Einstieg in Ausbildung und Beruf besondere Unterstützung benötigen. Im Mittelpunkt stehen die persönlichen Voraussetzungen, Stärken und Interessen der Jugendlichen sowie die Entwicklung von Selbstständigkeit und beruflichen Perspektiven.
Zum Start des neuen Ausbildungsjahres beginnen in der Jugendwerkstatt sechs junge Menschen ihre Ausbildung in unterschiedlichen Fachbereichen: Zwei werden zu Textilreinigern, zwei zu Malern und einer zum Schreiner ausgebildet. Eine weitere Person absolviert die Ausbildung zum Fachpraktiker Hauswirtschaft. Damit sind derzeit alle Ausbildungsplätze der Jugendwerkstatt besetzt. Auch die neuen Projektteilnehmenden starten in diesen Tagen mit ihren Angeboten.
Die Jugendlichen bringen unterschiedliche schulische und persönliche Voraussetzungen mit. Je nach individuellem Bedarf absolvieren sie eine Voll- oder Teilzeitausbildung oder erwerben den Abschluss als Fachpraktiker beziehungsweise Fachpraktikerin im jeweiligen Tätigkeitsfeld. Diese unterschiedlichen Ausbildungswege sind Bestandteil des pädagogischen Konzepts der Jugendwerkstatt. Sie ermöglichen es, junge Menschen entsprechend ihrer jeweiligen Möglichkeiten zu fördern und ihnen die notwendige Unterstützung für eine erfolgreiche berufliche Entwicklung zu geben.
Berufliche Interessen und Fähigkeiten entwickeln
Nicht jeder junge Mensch weiß nach der Schule, welcher berufliche Weg der richtige ist. Deshalb bietet die Jugendwerkstatt seit vielen Jahren das Projekt „Berufsvorbereitung“ an. Aktuell nehmen zwölf Jugendliche daran teil.
Einige kommen direkt von der Schule und möchten zunächst ihre Interessen und Fähigkeiten kennenlernen. Andere haben bereits eine Ausbildung abgebrochen oder bislang keinen Ausbildungsplatz gefunden. In den verschiedenen Werkstätten erhalten sie die Möglichkeit, unterschiedliche Tätigkeitsfelder kennenzulernen, praktische Erfahrungen zu sammeln und ihre beruflichen Interessen zu entwickeln.
„Nach etwa einem halben Jahr können sich bereits erste Interessen herauskristallisieren. Dann haben viele ihren Platz gefunden und kennen die grundlegenden Aufgaben“, berichtet Sandra Hücherig, Leiterin der Wäscherei.
Ein weiteres Angebot ist „Das Projekt“, dessen acht Plätze derzeit vollständig belegt sind. Das Angebot richtet sich an Jugendliche, die häufig bislang nur wenig Erfahrung mit den Anforderungen der Arbeitswelt haben. Im Vordergrund steht zunächst, einen geregelten Tagesablauf kennenzulernen und grundlegende Voraussetzungen für die berufliche Integration zu entwickeln: regelmäßig aufzustehen, pünktlich am Arbeitsplatz zu sein, Arbeitsaufträge zuverlässig auszuführen und Verantwortung für die eigenen Aufgaben zu übernehmen.
Dabei berücksichtigt die Jugendwerkstatt auch die persönliche Lebenssituation der Jugendlichen. Herausforderungen wie eine schwierige Wohnsituation, Probleme mit Suchtmitteln oder andere persönliche Belastungen können den Einstieg in Ausbildung und Arbeitswelt erschweren. Die pädagogische Arbeit setzt deshalb nicht ausschließlich an der beruflichen Entwicklung an, sondern nimmt die Jugendlichen mit ihren individuellen Lebenssituationen ganzheitlich in den Blick.
Individuelle Begleitung als Grundlage für Ausbildung
Feste Ansprechpartner, verlässliche Strukturen und eine individuelle Begleitung sind wichtige Bestandteile der Arbeit in der Jugendwerkstatt. Gerade für Jugendliche, die in anderen Zusammenhängen bereits Schwierigkeiten erlebt haben, schafft die kontinuierliche Unterstützung die Grundlage dafür, Vertrauen zu entwickeln und schrittweise mehr Verantwortung zu übernehmen.
Zum Start des neuen Ausbildungsjahres wurden die neuen Auszubildenden und Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer bei einem gemeinsamen Frühstück begrüßt. In drei Einführungstagen lernten sie die verschiedenen Fachbereiche und ihre Ansprechpartner kennen. Auch gemeinsame Aktivitäten waren Teil des Programms.
Neben der praktischen Ausbildung werden bei Bedarf auch schulische Inhalte aufgearbeitet. Denn eine erfolgreiche Ausbildung setzt nicht nur fachliche Kenntnisse voraus. Die Jugendlichen sollen zunehmend in die Lage versetzt werden, Aufgaben selbstständig zu planen, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen.
„Viele Jugendliche brauchen zunächst intensive Anleitung. Selbstständigkeit entwickelt sich nicht von allein, sondern muss Schritt für Schritt aufgebaut und eingeübt werden“, erklärt Sven Burmann, Leitung der Schreinerei der Jugendwerkstatt.
Mit zunehmender Sicherheit können die Jugendlichen auch Praktika in externen Betrieben absolvieren. Dadurch sammeln sie Erfahrungen außerhalb der Jugendwerkstatt und lernen die Anforderungen des regulären Arbeitsmarktes kennen. „Die Jugendlichen brauchen verlässliche Menschen, die sie auf ihrem Weg begleiten. Wir unterstützen sie bei beruflichen und persönlichen Herausforderungen und freuen uns über ihre Fortschritte und Erfolge“, sagt Sandra Hücherig.
Fachliche Ausbildung mit moderner Ausstattung
Neben der pädagogischen Begleitung steht die fachlich qualifizierte Ausbildung im Mittelpunkt der Arbeit. Die Jugendlichen arbeiten in den Werkstätten mit realen Aufträgen und lernen dabei die jeweiligen Arbeitsabläufe, Materialien, Werkzeuge und technischen Verfahren kennen.
In der Schreinerei werden unter anderem Möbel und individuelle Einrichtungslösungen gefertigt. Größere Aufträge wie Küchen- oder Schlafzimmereinrichtungen bieten erfahrenen Auszubildenden die Möglichkeit, umfangreichere Arbeitsprozesse kennenzulernen. Für Jugendliche am Beginn ihrer Ausbildung sind kleinere Aufträge besonders geeignet, um grundlegende Arbeitsschritte unter fachlicher Anleitung zu erlernen und Sicherheit im Umgang mit Werkzeugen und Materialien zu entwickeln.
Dabei setzt die Jugendwerkstatt auch auf moderne Technik. In der Schreinerei kommt beispielsweise ein CNC-gesteuertes „Shaper“-Werkzeug zum Einsatz, mit dem Werkstücke präzise bearbeitet werden können. Auch der Umgang mit Künstlicher Intelligenz wird zunehmend Bestandteil der Arbeit. So wurden beispielsweise von Jugendlichen handgefertigte Skizzen mithilfe von KI weiterentwickelt. Die Jugendlichen konnten dabei unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten betrachten und ihre eigenen Entwürfe mit neuen technischen Möglichkeiten verbinden.
Die Beispiele zeigen: Eine zeitgemäße Ausbildung verbindet handwerkliche Grundlagen mit modernen Technologien. Die Jugendlichen erwerben dabei sowohl fachliche Kompetenzen als auch Erfahrungen im Umgang mit neuen digitalen Werkzeugen.
Unterschiedliche Wege, individuelle Perspektiven
Die Jugendwerkstatt bietet unterschiedliche Zugänge zur beruflichen und persönlichen Entwicklung. Berufsvorbereitung, Ausbildung und Projekte richten sich an Jugendliche mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Unterstützungsbedarfen.
Gemeinsam ist den Angeboten die individuelle Begleitung. „Es geht nicht darum, allen Jugendlichen den gleichen Weg vorzugeben. Entscheidend ist, dass sie ihre eigenen Fähigkeiten kennenlernen, sich beruflich orientieren und Schritt für Schritt mehr Selbstständigkeit entwickeln können“, sagt Sandra Hücherig.
Auch nach dem erfolgreichen Abschluss einer Ausbildung bleibt die Verbindung zur Jugendwerkstatt häufig bestehen. Ein gemeinsames Essen mit den Auszubildenden des vergangenen Jahres ist inzwischen fester Bestandteil des Jahresablaufs und bietet Gelegenheit, auf die Ausbildungszeit und die erreichten Ziele zurückzublicken.
Seit 40 Jahren verbindet die Jugendwerkstatt der Geschwister-Gummi-Stiftung pädagogische Unterstützung mit beruflicher Qualifizierung. Auch im neuen Ausbildungsjahr stehen die Jugendlichen und ihre individuellen Entwicklungsmöglichkeiten im Mittelpunkt.
Im Oktober blickt die Jugendwerkstatt auf 40 Jahre erfolgreiche Arbeit zurück. Das Jubiläum bietet Gelegenheit, die Entwicklung der Einrichtung zu würdigen und den Blick auf die Menschen zu richten, die ihre Arbeit geprägt haben und heute prägen.


